Screenimage

Workation in Tarifa: Zwischen Coworking, Wind und Wellen

Workation

13.10.2026 | Windsurfen ist meine grosse Leidenschaft. Die Naturgewalt Wind und das weite Meer erden mich immer wieder aufs Neue und lassen mich staunen, wie klein man selbst doch ist. Auch die leider immer kleiner werdende Windsurf-Community hat ihren ganz eigenen Charme. Sie besteht mehrheitlich aus junggebliebenen älteren Herren, die neben dem Windsurfen am liebsten den ganzen Tag über Windbedingungen und das passende Material fachsimpeln. Da kann man gar nicht anders, als sich direkt an den Gesprächen zu beteiligen. 😉

Da in der Schweiz nun der Herbst Einzug hält und ich das warme Wetter durchaus zu schätzen weiss, zieht es mich ans Meer – genauer gesagt nach Tarifa. Das Windsurf-Mekka liegt am südlichsten Zipfel der Iberischen Halbinsel und ist übrigens nicht mit der Insel Teneriffa zu verwechseln. 😉

Dieses Jahr habe ich wieder die Möglichkeit, Workation zu machen. So lässt sich meine Leidenschaft fürs Windsurfen wunderbar mit dem Arbeiten verbinden. Gerne nehme ich euch mit auf meine Reise und teile meine Erlebnisse mit euch:

 

14.09. – Montag

Um 04:30 Uhr klingelt der erste Wecker, um 05:30 Uhr geht es mit dem Bus los. Von Zürich fliege ich nach Málaga und reise anschliessend über Algeciras weiter nach Tarifa.
Der Flug verläuft problemlos, doch der Anschlussbus ist bereits ausgebucht. Die fast vierstündige Wartezeit nutze ich kurzerhand für erste Workation-Erfahrungen.

Spätabends komme ich in Tarifa an und schaffe es sogar noch, die wichtigsten Einkäufe zu erledigen. In meiner Unterkunft treffe ich auf einen deutschen Kitesurfer, der ebenfalls remote arbeitet – und sogar im gleichen Coworking-Space. Die erste Bekanntschaft ist also schon gemacht, bevor die Workation überhaupt begonnen hat. 😉
Danach heisst es: einrichten und ab ins Bett.

15.09. – Dienstag

Der Tag startet mit Sonnenaufgang und Frühstück auf der Terrasse. Danach geht es ins Coworking-Space. Zugangs-Pin eingeben, Arbeitsplatz einrichten – und los geht’s.
Das Space ist modern, ruhig und überraschend leer. Gerade einmal drei bis vier Personen sind da. In kurzen Gesprächen stellt sich heraus: Alle sind wegen des Wassersports hier – allerdings allesamt Kitesurfer. 🙂

Für Telefonate gibt es kleine Kabinen, ansonsten ist absolute Ruhe erwünscht. Ich komme richtig gut voran und habe bereits um 16:30 Uhr Feierabend.
Bevor es an den Strand geht, erkundige ich mich noch nach einem Mietfahrrad, um flexibler zu meinem Surfspot zu kommen. Leider ist das Angebot entweder zu teuer oder die Vermieter haben Bedenken wegen eines möglichen Diebstahls während meiner Surfsession. Vorerst bleibe ich also zu Fuss unterwegs.

So geniesse ich den Sonnenuntergang am Strand, erledige noch den Einkauf und lasse den Tag gemütlich beim Abendessen ausklingen.


16.–17.09. – Mittwoch/Donnerstag

Die beiden nächsten Tage verlaufen ähnlich. Ich fühle mich etwas angeschlagen – vermutlich eine Mischung aus Klimaanlage und ungewohnter Umgebung. Also heisst es: etwas Tempo rausnehmen und gut auf mich achten, damit daraus nicht mehr wird.

Im Coworking-Space läuft die Arbeit gut. Mittlerweile bin ich auch bestens ausgerüstet: Mittagessen, Milch für den Kaffee und gesunde Snacks gehören selbstverständlich ins Gepäck. 😉

Die Mittagspausen nutze ich zum Erholen. Vom Coworking-Space sind es nur wenige Minuten zu Fuss zum Strand. Essen, lesen, Sonne tanken – und schon geht es wieder zurück an die Arbeit. Viel gesundes Essen, Ruhe und Sonne stehen auf dem Programm. Schliesslich will ich fit sein, wenn die ersten guten Windtage kommen.


18.09. – Freitag

Heute baut sich endlich der Levante auf – ein Ostwind, der durch die Verengung von Gibraltar stark beschleunigt werden kann. Ab dem Nachmittag werden moderate Windbedingungen erwartet. Perfekt, um meinen von der Arbeit offerierten halben Tag für eine Erkundung zu nutzen und Tarifa vom Wasser aus zu entdecken. Zwar bin ich noch etwas angeschlagen, aber etwas Salzwasser für die Nase soll ja bekanntlich helfen. 😉 Am Morgen wird noch von zuhause aus gearbeitet, bevor es mittags mit dem Taxi Richtung Valdevaqueros geht. Endlich aufs Wasser!

21.09. – Montag

Vollends genesen, zwei erfolgreiche Windsurftage in der Tasche und mit einem Mietauto ausgestattet, starte ich voller Elan in die neue Woche. Heute stehen einige Meetings auf dem Programm. Deshalb pendle ich regelmässig zwischen Arbeitsplatz und einer der vier Telefonkabinen hin und her. Diese können kostenlos dazu gemietet werden, da Telefonieren direkt am Arbeitsplatz nicht erwünscht ist.

Für mich ist es der letzte Tag in diesem Coworking-Space, denn ab morgen geht es in ein neues Büro. Der Arbeitstag läuft reibungslos und ich komme gut voran. Kaum ist das letzte Meeting vorbei, schnappe ich mir meine Sachen und schleiche mich davon – das Wasser ruft! Dank des Mietautos bin ich in kürzester Zeit am Surfspot und geniesse noch eine Stunde auf dem Wasser.

Nach dem Abendessen wird noch etwas Arbeitszeit nachgeholt und ein Supportfall erledigt. Ein bisschen Work gehört schliesslich auch zur Workation. 😉

22.-23.09. – Dienstag/Mittwoch

Für die restlichen Tage habe ich mir ein anderes Coworking-Space ausgesucht. Das Büro liegt etwas ausserhalb der Stadt, also schnappe ich mir mein Auto und fahre los.
Der Check-in funktioniert ähnlich wie beim ersten Coworking: Arbeitszeit online buchen und bezahlen, Zugangs-Pin erhalten, am Eingang eingeben – und schon ist man drin. Auch hier sind die Arbeitsplätze mit Screens ausgestattet. Einige davon sind allerdings ziemlich in die Jahre gekommen oder weisen Kratzer oder Pixelschäden auf. Nach kurzer Suche finde ich aber doch noch meinen perfekten Platz.

Insgesamt wirkt das Space deutlich lebendiger. Rund neun Personen sind anwesend, einige scheinen regelmässig hier zu arbeiten. Das merkt man auch an den Arbeitsplätzen: Manche sind richtig heimelig eingerichtet. Und anders als im ersten Coworking kann hier direkt am Arbeitsplatz telefoniert werden. 🙂

Für mich ist das deutlich angenehmer. Und das Beste: Die Windprognose bleibt gut. Der Plan für die nächsten Tage steht also: arbeiten, am Nachmittag ab aufs Wasser und abends bei Bedarf noch etwas nachholen. Fehlt eigentlich nur noch ein weiterer Einkauf – der ist in den letzten Tagen irgendwie untergegangen. 😉

24.09. – Donnerstag

Heute ist mein freier Tag. Am Vormittag erledige ich noch das Nötigste von zuhause aus, danach gehört der Nachmittag ganz mir.

Ich verbringe die Zeit am Strand, lese in meinem Buch und gehe schliesslich noch aufs Wasser. Der Wind fällt während meiner ersten kurzen Surfsession allerdings komplett zusammen. Eine Stunde später frischt er wieder auf – diesmal fast schon zu stark. 😉 Am Abend lasse ich den Tag gemütlich auf der Terrasse ausklingen.

25.09. – Freitag

Heute ist mein letzter Tag im Coworking-Space – und gleichzeitig der erste Tag mit deutlich weniger Wind. Das passt perfekt, denn nach den letzten Tagen kommt mir eine Pause gerade recht. Die Kombination aus Arbeit und intensiven Surfsessions fordert ihren Tribut: Ein paar kleine Blessuren machen sich bemerkbar und auch die Energie ist nach einer solchen Woche nicht mehr ganz dieselbe. Beides über längere Zeit unter einen Hut zu bringen, ist doch anstrengender als gedacht. Umso mehr freue ich mich, ab morgen eine ganze Woche Urlaub vor mir zu haben!

Zuerst steht aber noch ein letzter Arbeitstag an. Über Mittag bringe ich meine Wäsche in die Wäscherei und hole sie am Nachmittag wieder ab. Im Coworking kann ich konzentriert arbeiten – auch wenn ein besonders nervöser Kollege mit seinem ununterbrochenen Beinwippen irgendwann meine Aufmerksamkeit erregt. Ich muss ihn schliesslich freundlich darauf hinweisen. 😉

Damit ist die Workation-Phase geschafft! Ab morgen geht es raus aus dem Stadtzentrum und auf einen Campingplatz direkt in der Nähe meines Surfspots. Kein Arbeiten, kein Coworking – einfach Wind, Wasser und eine Woche Urlaub. Ich freue mich riesig!

Fazit

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Coworking-Spaces ausprobiert. Meine Vorstellung, dass dort ständig ein aktiver Austausch stattfindet, hat sich allerdings ziemlich schnell relativiert. Auch wenn im zweiten Space etwas mehr Geräuschkulisse und Gespräche toleriert wurden, blieb doch jeder weitgehend bei sich. Viel mehr als ein Hallo, gelegentliche kurze Gespräche und die gemeinsame Leidenschaft für den Wassersport gab es nicht.

Für mich hat das trotzdem sehr gut funktioniert. Ich konnte mich während der Arbeitszeit voll auf meine Aufgaben konzentrieren und gleichzeitig meine Freizeit so gestalten, wie ich es mir vorgestellt hatte. Arbeiten, Laptop zuklappen und ab aufs Wasser – genau diese Kombination hat die Workation für mich ausgemacht. 😉

Noch mehr Workation-Inspiration

Hier gehts zum Artikel von Manuel